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Jubiläum25 Jahre ÖKO-TEST


Die ersten Kommentare

Frankfurt Rundschau

Frankfurt Rundschau, 25. März 1985
Gummibärchen sollen rehabilitiert werden

Wer das Heft zum ersten Mal in die Hand nimmt, könnte sich vom Titelbild leicht in die Irre führen lassen. Noch so ein auf graues (Umwelt-)Papier gedrucktes Öko-Blatt, das den Zeitgenossen das kurze Leben mit Horror-Meldungen vermiest? "Hamburg: Arsen, Nickel und kein Ende", "Wein-Test: Prost Schwefel" und "Äpfel waschen: Nützt nichts", erfährt er auf dem Umschlag des neuen "Öko-Test-Magazins". Nichts dabei, was aufbauend oder erhebend wirken könnte, nichts, was der Volkswirtschaft neue Konsumenten zuführte.

Das Editorial auf Seite 3, stimmt dann wieder mild: "Leser des Öko-Test-Magazins", heißt es dort, "dürfen weiterhin Bratwurst, Sauerkraut und Gummibärchen essen." Nicht neue Giftnachrichten wollen die sieben Frankfurter Journalisten, die die Monatszeitschrift machen, verbreiten, sondern über "Möglichkeiten gesünderer Lebensweise und eines verantwortungsvollen Verhaltens im Alltag" informieren. Denn, so teilen sie mit, es gibt tröstlicherweise "auch Wurst, die man essen kann, Wasser ohne Nitrat, Obst ohne Gift". Bloß muß der Städter, dessen Sinne zwar ökologische geschärft, doch vom großen Warenangebot wieder verwirrt sind, darüber Bescheid wissen.

Das Magazin, Startauflage 100.000 Exemplare, wendet sich mithin an einen neuen Konsumententyp, der sich in den letzten Jahren entwickelt hat: den umweltbewussten Käufer. Eine Revolution muß in dessen Hirn stattgefunden haben, die Beweggründe, diese und nicht jenes Produkt zu erstehen, haben eine merkwürdige Bereicherung erfahren. Nicht bloß, daß das Wäscheweiß weißer als weiß wird, zählt für das Selbstwertgefühl. Auch was die Fische dazu meinen, wenn die so ausgelöste Phosphatladung ihnen den Sauerstoff zum Atmen raubt, ist von Interesse, und könnte eine Kaufentscheidung beeinflussen.

Der (durchaus ehrenwerte) Wunsch nach dem Genuß ohne Reue mag mit dahinterstecken. Und zudem verhilft das Heft, indem es testen lässt (und mitteilt), welcher Wein ohne übergroße Mengen des Konservierungsstoffes und Kopfwehpulvers Schwefel auskommt und wenig Pestizidrückstände ins Glas bringt. Oder, indem es aufklärt, daß man einen Apfel besser mit einem trockenen Tuch abreibt, um seine Schale von Bleispuren zu befreien. Man erfährt über die zweifelhafte Wirksamkeit von Wasserfiltern, über die Möglichkeit, Bio-Nahrungsmittel zu erkennen, über Asbest in Bremsbelägen.

Freilich ist die Einsicht, dass Produkte auf ihre Umweltverträglichkeit bei Herstellung und Gebrauch untersucht werden müssen, ganz so neu nicht: Die privaten Haushalte tragen schließlich zu rund 40 Prozent zur Umweltverschmutzung bei. So zieht auch die Berliner "Stiftung Warentest" immer öfter "Umweltprüfungen" in ihr von den Herstellern gefürchtetes Urteil mit ein und will, wie der Chefredakteur ihres "test"-Heftes, Hans-Dieter Lösenbeck, verspricht, diesen Bereich noch verstärken. Auch bei "test" käme es daher nicht mehr vor, dass etwa ein Waschmittel das Prädikat "gut" erhielte, wenn es zwar die Wäsche prächtig säubert, aber die Kläranlagen überfordert.

Trotzdem wird bei "test", anders als bei "Öko-test", die Umweltverträglichkeit nicht das Hauptkriterium der Bewertung sein, das ein Produkt völlig disqualifizieren kann. Die Krux, dass Hersteller auch heut noch viel mehr Einfallsreichtum in die Gestaltung neuer Produkte als in die Minimierung ihrer unerwünschten Nebeneffekte setzen, löst die Stiftung in Berlin, indem sie verschiedene Noten für Preis, Funktion und Umweltfreundlichkeit gibt. So etwa bei einem Test von Kettensägen, von denen manche zwar tadellos ihre Aufgabe erfüllen, aber mit unnötigem Lärm die Nachbarschaft terrorisierten.

Lösenbeck, darauf angesprochen, dass dem alteingesessenen "test" mit "Öko-test" Konkurrenz erwächst, erstaunt mit der Feststellung, daß das neue Magazin eine "sinnvolle Ergänzung" sein könne: "Wir begrüßen es, wenn in diesem (Umwelt-)Bereich mehr getan wird." Im Hinterkopf hat er dabei, daß zusätzliche Umweltprüfungen, "wenn man es richtig macht, sehr sehr teuer werden. "Bei einem großen Waschmitteltest liefen leicht zusätzliche Kosten von 100.000 Mark auf, berichtet er.

Dies ist ein Problem, das auch den Frankfurtern zu schaffen macht. Da bei ihnen kein großer Verlag im Hintergrund steht, sondern das Startkapital von 800.000 Mark von ökologisch interessierten Kleineinlegern aufgebracht wurde, fühlt man sich noch "nicht über dem Berg" und sucht weitere Geldgeber. Auch zur Rehabilitation des Gummibärchens.Joachim Wille




Kontakter

Kontakter, 14. Januar 1985
Neues Objekt

Ein ökologisch orientiertes Monatsmagazin mit dem Namen ÖKOTEST wird am März die Medienlandschaft der Bundesrepublik bereichern. Das Magazin will vorrangig "alltagsökologische" Fragen behandeln. Darunter versteht das in Frankfurt ansässige "Redaktionskollektiv" zum Beispiel Untersuchungen von Lebensmitteln unter ökologischen Kriterien, Medikamententests und Auseinanderstetzungen mit gesundheitspolitischen Themen.

Die Tests werden unter anderem in Zusammenarbeit mit den Umweltinstituten in Bremen und Bielefeld in deren Laboratorien durchgeführt und sollen, so Redaktionsmitglied Oliver Tolmein, "praktische Handlungsmöglichkeiten für den umweltbewussten Verbraucher anbieten". Zum Beraterkreis der Redaktion gehören Professor Armin Bechmann, vormals Öko-Institut Freiburg, die Schriftstellerin Ingeborg Drewitz und die Theologin Dorothee Sölle. Das Heft erscheint in einer Auflage von 100.000 Exemplaren und ist für vier Mark am Kiosk erhältlich.



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